Bordeaux 2010 – wieder ein großer Jahrgang!

Der Verkostungsmarathon liegt hinter uns! Sechs Tage in Bordeaux, viele Kilometer im Auto gesessen, viel zu viel gegessen, ebenso viel getrunken. Die Woche, in denen die Weingüter des Bordelais ihre Jungweine, die „Primeurs“ präsentieren, ist hart. Morgens um 8.00 geht es los, durch den obligatorischen Stau, um den man nur herum kommt, wenn man ein Hotel außerhalb der City bucht, hinaus ins Médoc, nach Saint-Émilion oder Pomerol. Überall warten große Präsentationen auf Weinhändler und Journalisten aus aller Herren Länder.
Dass der Jahrgang 2010 kein schlechter ist, wusste man bereits vorher. Manche Winzer prognostizierten bereits während der Lese, er sei besser als der magische Vorgänger.

Nach einer Woche mit vielen Verkostungen auf den Châteaux, bei Händlern und auf Gemeinschaftspräsentationen steht mein Urteil fest: 2010 ist ein weiterer ausgezeichneter Jahrgang, der mit manchen Regionen tatsächlich nicht schlechter als 2009 ist; manchmal sogar einen Hauch besser!
Die Weine des Médocs präsentierten sich am homogensten, Ausfälle habe ich bei keinem Weingut verzeichnet. Die Cru Classées aus Margaux, Saint-Julien, Pauillac und Saint-Estèphe boten ein ausgezeichnetes Bild – das muss man bei den Preisen aber auch erwarten!
Spannender für mich ist die mittlerweile kaum noch überschaubare Gruppe der Cru Bourgeois. Auf Château d´Agassac standen mehr als 200 Weine auf den Tischen!
Darunter ein paar echte Perlen, die mit wunderbar klarer, reifer Cabernet-Frucht überzeugten.
Diese Weine bieten wunderbaren Trinkgenuss zu gutbürgerlichen Preisen.

Meine Favoriten aus dem Médoc (Cru Bourgeois etc.):

2010 Château Rollan de By – Médoc 91
Seit ein paar Jahren der Darling vieler Weinhändler. Hier wird gearbeitet wie auf einem Grand Cru Classée, und so schmeckt der Wein auch! Tiefdunkel, „großer“ Duft nach Cassis, Graphit und Heidelbeeren; süße, sexy Frucht mit reifen Tanninen und viel mineralischer Frische. Konzentriert, aber nicht breit, wunderbar elegant und schmissig. Mehrfach verkostet.

2010 Château Haut-Condissas – Médoc 93 +
Das ist sozusagen die Auslese von Rollan de By, der „Grand Vin“, komplett im neuen Holz ausgebaut, z.T. sogar in speziellen Barriques vergoren. Da muss man nicht große diskutieren, dieser fast schwarze Wein mit seinem berauschenden Duft nach Cassis, Pflaume, Brombeere und Schokolade bewegt sich auf Cru Classée-Niveau. Dicht und komplex, konzentriert und rassig, sehr lang und frisch. Toller Stoff! Wer braucht da noch Lafite etc. zu vollkommen abgedrehten Preisen? Mehrfach verkostet.

2010 Poitevin – Médoc 88-89
Seit Jahren einer unserer Lieblinge! Hier kriegt man ganz einfach einen blitzsauberen Wein für wenig Geld! Médoc wie aus dem Lehrbuch: Dunkelbeerige Frucht mit Noten von Heidelbeere, Cassis, einem Hauch Kaffee. Feine, intensive Frucht, blitzsauber gestrickt und fein-mineralisch im langen Abgang. Für Schnäppchenjäger ein Muss! Mehrfach verkostet.

2010 Château Cambon-La Pelouse – Haut-Médoc 92
“BITURICA” nennt sich eine Gruppe junger und nicht mehr ganz so junger Winzer, die eine Art „Off-Bewegung“ gegründet haben, um dem traditionellen bordelaiser Tamtam zu entfliehen. Der Qualitätsstandard ist sehr hoch, die Preise dieser Weine jedoch nicht.
Cambon-La Pelouse machte einen hervorragenden Eindruck: Tiefdunkle Farbe, herrlich süß-mineralischer Duft mit viel Cassis, Heildelbeere, einem Hauch Kaffee und Graphit. Reife, satte Frucht mit feinen Tanninen und viel Schwung im langen Abgang. Ein Treffer! Mehrfach verkostet.

2010 Château Mille-Roses – Haut-Médoc 90-91
Sehr dunkel, feine, hoch reife Nase, nicht überreif! Tiefgründiger Duft: Cassis, Blaubeere, Graphit, Mineralien; süß und schmelzig am Gaumen, reife Tannine, frisch-mineralischer Nachhall. Gehört seit ein paar Jahren zu den zuverlässigsten Cru Bourgeois. Mehrfach verkostet, immer eine sichere Sache. Gehört ebenfalls zur Gruppe „BITURICA“

2010 Château Belle-Vue – Haut-Médoc 90-92
Gehört seit 2-3 Jahren zu meinen Favoriten! Mehrfach verkostet, immer voll überzeugend. Sehr dunkle Farbe, offener Duft nach Schwarzkirsche, Heidelbeere, Cassis und Graphit; reife, süße Frucht mit frischer Mineralität und reifen Tanninen. Lebhaft und sehr schön balanciert, frisch und elegant im langen Abgang. Die Investitionen von Vincent Mullier, der leider im Mai 2010 während eines Marathonlaufs tragisch verstarb, zahlen sich mehr und mehr aus.
Château Belle-Vue ist heute einer der ganz heißen Tipps des gesamten Médocs.

2010 Château de Gironville – Haut-Médoc 90-91
Vertrieb und Winemaking von der Belle-Vue-Equipe, gehört wie dieses Weingut zur „BITURICA“-Gruppe. Mehrfach verkostet und immer konstant bewertet. Auch hier sticht die sehr dunkle Farbe ins Auge; reifer, sehr feiner Duft nach dunklen Beeren, Süßkirsche, feinen Gewürzen. Rief und dicht in der Frucht, mit einer aristokratischen Note feine Tanninen, auch hier wieder begeistert die mineralische Frische im Finale. Sehr gelungener Wein!

2010 Château Lilian-Ladouys – Saint-Estèphe 90-92
Hat sich in den letzten 2-3 Jahren stetig verbessert. Kein kerniger Saint-Estèphe, sondern eher feminin mit feinen Holznoten, Trüffel, Brombeere und Kirsche. Rassig und feinfruchtig, dezente Mokkanoten, große Eleganz und mit edlem Tabakfinish. Für Freunde großer Eleganz!
Mehrfach verkostet.

2010 Château Le Petit Bocq – Saint-Estèphe 90-91
Wie letztes Jahr auch, einer meiner Lieblinge. Sehr dunkle Farbe, typisch für den Jahrgang bei Cabernet-dominierten Weinen. Verführerischer Duft nach Blaubeeren und Cassis, ein Hauch Schokolade; süß und sexy am Gaumen, mit feinen Tanninen und frischer Mineralität. Ausgewogen und lang, dabei fein, fein, fein…..Mehrfach verkostet.

2010 Sainte-Gemme – Haut-Médoc 89-90
Überraschung! Gehört zu Lanessan, liegt gleich unterhalb von Saint-Julien (Beychevelle).
Voll auf Eleganz ausgelegt; feine, reife Frucht, rotbeerig und ein Hauch Blaubeeren, mineralisch (Graphit) und frisch. Reife, rassige Tannine, feinfruchtig am Gaumen und lebendig im Abgang. Großartiger Genuss für wenig Geld; wird wohl unter 10 Euro in der SUB kosten! Mehrfach verkostet.

2010 Lanessan – Haut-Médoc 92

Der große Bruder legt noch eine Schüppe drauf! Noch dunkler, fast schwarz. Nobler Duft mit viel Cassis, Blaubeere, Brombeere, der bereits mehrfach erwähnte Graphitton fehlt natürlich auch nicht. Süße, rassige und dichte Frucht, große Finesse, wunderbare Länge. Wer braucht da noch deutlich teurere Cru Classées? Sicher einer der besten CBs. Mehrfach verkostet, auch direkt auf dem Château bei der bezaubernden Paz Espejo, der charmanten Regisseurin von Lanessan.

2010 Mayne-Lalande – Listrac 92
Die Entdeckung! Hatte ich bisher nicht auf der Karte. Sehr dunkel, feiner Duft, absolut Cabernet-typisch mit Aromen von Cassis, Blaubeere, Graphit, Zeder und einem Hauch Kaffee. Herrlich reife, verführerische Frucht, charmante Tannine, tolle Balance; mineralische Süße im langen Abgang. Ein echter Treffer, dürfte in der SUB auch nicht teuer werden. (ca. 12-14 Euro). Mehrfach verkostet.

weitere Appellationen folgen

abends in der Welthauptstadt des Weines

über Bordeaux und seine Weine kann man ja denken wie man will. Dass viele Weine vollkommen überteuert sind, dass viele berühmte Weingüter dem “normalen” Weintouristen ihre Pforten nicht öffnen, dass die bekannten Châteaux Großkonzernen gehören und herausgeputzt sind wie Märchenschlösser – geschenkt, stimmt alles! Trotzdem gibt es auch in nahezu allen Anbaugebieten des Bordelais Winzer, die wunderbare Weine produzieren zu Preisen, die für Jedermann bezahlbar sind. Viele dieser Weine findet man in der Gastronomieszene der Gironde-Stadt, die lebhaft und nicht abgehoben ist. Man muss nicht zwangsläufig in Michelin-bewährte Läden gehen, um abends nach einem anstrengenden Tag am Meer oder im Médoc kulinarisch den Tag ausklingen zu lassen.

Am Tag meiner Ankunft, vor dem großen Theater der Primeurverkostungen, blieb nur wenig Zeit, sich zu stärken. Nur wenige Minuten Fußweg vom Hotel entfernt an der Place de Gambetta findet man eine bordelaiser Institution, die mit Lederbänken und Spiegeln eine Brasserie wie aus dem Bilderbuch ist. Le Régent bietet klassische Bistrogerichte und eine sensationell preisgünstige Weinkarte, auf der sich Trouvaillen wie Château Poujeaux 2006 zu sagenhaft günstigen 27,00 € pro Flasche finden.

Unter Weinhändlern sehr beliebt und jeden Abend brechend voll ist die Brasserie Bordelaise mit ihrer riesigen Weinauswahl und einer blitzsauberen, traditionellen Küche. Côte de Boeuf, Austern aus Arcachon, Hühner aus den Landes und eine großartige Entenblutwurst sorgen für wohlige Sättigung bei Weinnasen aus aller Welt. Unbedingt reservieren!

Eine echte Entdeckung und ein Tipp von einem befreundeten Kollen: Verretigo, ein kleines Restaurant/Weinbar nur einen Steinwurf vom Mériadeck-Einkaufszentrum entfernt. Sensationelle Weinkarte, wenige Gerichte, viel Fleisch, alles gekonnt präsentiert von drei weinverrückten Typen, die auch ihre letzten Zigaretten mit uns geteilt haben. Die Verkostungen der 20010er hing mir noch in den Knochen, und so war dieser letzte Abend im Verretigo eine Streicheleinheit für den Gaumen und die Seele.

eine Zusammenfassung der Primeurverkostungen des Jahrgangs 2010 folgt. Eins ist klar: vor allem die Weine des Médocs müssen sich nicht verstecken hinter dem hochgelobten 2009er.

habe die Ehre!

Karl Richter

Bordeaux – immer eine Reise wert!

Am Tag meiner Ankunft war der Himmel bedeckt, graue Wolken hingen schlaff über Bordeaux und den angrenzenden Weinregionen. Ein schlechtes Omen für die Präsentation der Jungweine des Jahrgangs 2010? Die ganze Weinwelt pilgerte wieder ins Zentrum der Weinwelt, um sich ein Bild vom Jahrgang zu machen, der bereits während der Ernte mit reichlich Vorschlusslorbeeren bedacht wurde. “Ist er sogar besser, als der magische Vorgänger” fragten sie die Produzenten angesichts vollreifer, vollkommen gesunder Beeren, die über die Sortiertische perlten wie übergroßer Kaviar, die Erntehelfer tatenlos daneben stehen lassend, denn es gab nichts, was auszusortieren war. Perfektes Lesegut musste nur noch zu Wein vergoren werden.

Jetzt, sechs Monate später, stehen die Weine zur Verkostung an, und alle sind gespannt, wie sich der Jahrgang 2010 präsentiert. 2010 war kein sehr heißes Jahr, die Temperaturen waren eher durchschnittlich. Doch es schien die Sonne länger und öfter als in anderen Jahren. Regen war jedoch das Problem. Zu wenig ist nämlich auch nicht gut, das kann zu trockenen, unreifen Tanninen führen. Der allgemeine Verlauf meinte es jedoch gut mit Winzern und Schlossherren, denn das, was ich in den ersten beiden Tagen verkostet habe, gibt zum Jubeln Anlass. Vor allem die Weine aus dem Médoc sind großartig und in der Tat vielleicht noch einen Hauch besser als der hoch gelobte 2009er. Man glaubt es kaum! Geprägt von einer durchgehend tiefdunklen, hochkonzentrierten Farbe und einer wunderbar reifen, frischen Frucht, werden diese Weine zu den besten der letzten Jahrzehnte gehören. Schwarze Zähne und Zungen allerorten legen Zeugnis darüber ab, dass es sich bei den 20010ern um großartige Weine handelt, die es wert sind gekauft zu werden.

Rund 300 Weine aus dem Médoc habe ich verkostet, um sicher zu gehen zum Teil mehrfach. Wenn die Preise durch die Nachfrage des asiatischen Marktes nicht vollkommen ruiniert werde, wird es natürlich ein Subskriptionsangebot geben. Davon später mehr.

habe die Ehre

Karl Richter

Borussiahäppchen

Als ich das erste Mal von meinem Freund Réginald, seineszeichen Besitzer von 3 (!) Tribünendauerkarten (West Block 32) im Dortmunder Westfalenstadion (heißt für mich noch immer so!), gefragt wurde, ob ich Lust hätte, ein Spiel der Borussia mit ihm zu besuchen, sagte ich natürlich spontan zu. Merkwürdig war nur, dass mir befohlen wurde, um Punkt 12 Uhr am Heim des Gönners zu erscheinen, liegt doch der Ort des Geschens in Sichtweite, also nur einen kleinen Fußmarsch entfernt. Der Grund für mein frühes Erscheinen wurde mir jedoch mitgeteilt: “Borussiahäppchen”, worunter ich mir ein paar belegte Brötchen und gepflegten Biergenuss vorstellte. Dieses erste “Borussiahäppchen” entpuppte sich als ein im Ofen gegartes Perlhuhn, zu dem zwei rechtzeitig dekantierte Bordeaux des Jahrgangs 1986 gereicht wurden: Chasse Spleen und Pavillon Rouge von Château Margaux.

Seit dem sind viele Spiele besucht worden, darunter grausame, die auch durch den vorherigen Genuss bester Weine kaum zu ertragen waren; aber auch Glanzlichter, wie der Auftritt von Zinedine Zidane und Real Madrid und die letzte Meisterschaft im Jahre 2002.

In dieser Saison, die dominiert wird von einem jungen, sympathischen Team, ist jeder Besuch im Stadion natürlich ein Feiertag. Jedes Spiel ausverkauft, über 80.000, die darauf hoffen, dass der Vorsprung auf die Verfolger bis zum letzten Spieltag reichen wird. Gegen Mainz 05, den ehemaligen Club des in Dortmund so geschätzen Trainers Klopp, wurde die Euphorie ein wenig gedämpft. Ein 1:1 ließ niemanden jubeln.

Dazu Anlass gab jedoch das bereits erwähnte “Borussiahäppchen”, das dieses Mal aus Papardelle mit Trüffelsoße und einem langsam im Ofen gegarten Roastbeef nebst Kartoffelauflauf bestand. Die passenden Getränke waren meisterlich, sorgten für Freude und stimmten auf das nachfolgende Spiel ein.

2008 Willi Schäfer – Graacher Domprobst – Riesling Spätlese: ein Wein, leicht wie eine Feder, zart und transparent, glasklar, unverwechselbar und  mit feinster Restsüße und einer frischen, leicht unterkühlt wirkenden Säure. Ein großer Klassker!                                            93 Punkte

1997 Luigi Pira “Marenca” Barolo: Großer Jahrgang, großer Winzer, großer Wein. Ein Barolo voll warmer, feinwürziger Frucht, typisch in seinen Aromen von abgefahrenen Autoreifen (Pirelli?), Teer und überreifen Himbeeren. Großartig zu den Bandnudeln mit der konzentrierten Trüffelsoße. Nach mehr als 13 Jahren auf den Punkt gereift und trotzdem noch Potential für weitere 10 Jahre.                                                                               95 Punkte

1996 Falesco “Montiano”: zufällig im Weinkeller gefunden, keine große Hoffnung hegend, dass dieser “moderne” italienische Merlot zum Jubeln Anlass geben würde. Überraschung! Wunderbar reif, frisch und komplex, mit feinen Eukalyptusnoten, mehr auf Frische ausgelegt, denn auf dicke Frucht. Mit schöner Länge, rassigen Tanninen und einer gehörigen Portion mineralischer Frische ließ er uns zum Roastbeef jubeln!                     94 Punkte

die eigentliche Überrschung kam aber ganz zum Schluss, als der Shuttlebus zum Stadion schon rief, ein Schluck Wein aber noch mit auf den Weg genommen werden wollte:

2007 Gewürztraminer “Rosacker” Grand Cru – Cave Vinicole Hunawihr: spektakulärer Wein mit lupenreiner, sortentypischer Frucht, rassiger Säure, die für viel Schwung am Gaumen sorgte und diese Rebsorte davor bewahrte, ins Banale abzudriften. Gewürztraminer ist nicht gerade angesagt, fristet eher ein Schattendasein und wird von den meisten “Weinkennern” eher belächelt. Dieser Wein jedoch aus der Grand Cru-Lage “Rosacker” in Hunawihr, aus der übrigens auch der berühmte Riesling “Clos Sainte Hune” von Trimbach stammt, überzeugte auf ganzer Linie. Schade nur, dass wir ihm nicht mehr Aufmerksamkeit widmen konnten – der Anstoß nahte ja.                                                                                                       92 Punkte

habe die Ehre!

Karl Richter

…nicht am falschen Ende sparen!

Es gibt Dinge im Leben, da sollte man wirklich nicht dran sparen. Wein gehört selbstverständlich dazu. Mit billigen, gesichtslosen Tropfen aus industrieller Massenproduktion sollte niemand, der sich mit einem gewissen Anspruch mit Wein beschäftigt, die eigene Leber belasten. Genauso sieht es aus mit Hühnern. Wer seine Flattermänner tiefgefroren beim Discounter kauft und mit diesem geschmacklichen Nichts zufrieden ist, der sollte ab hier jetzt gar nicht mehr weiter lesen. Bei Geflügel mache ich keine Kompromisse. Etwas anderes, als ein stolzer Hahn oder eine glückliche Henne aus Freilandhaltung, aufgepeppelt mit echtem Schrot und Korn, kommt mir nicht mehr auf den Spieß. Denn genau dort gehören diese stolzen, gern mit dem blauen Siegel der französischen Freilandhalter dekorierten Tiere, hin. Nur mit Fleur de Sel, frisch gemahlenem Pfeffer und Olivenöl gesalbt. Kein Schnickschnack, ein paar frische Gemüse und die richtigen Leute bei Tisch – mehr braucht es nicht, um größte Zufriedenheit zu erzeugen. Fehlen nur noch ein paar passende Weine.

Da niemand meiner Freunde (bis auf einen!) Karneval feiert – wir sind schließlich im Ruhrgebiet!- war Karnevalssonntag nach der, von der Dortmunder ZONTA-Gruppe organisierten Lesung von Fritz Eckenga (großartig!) – ein dankbarer Termin, um dem edlen Geflügel unsere Ehre zu erweisen. Geschmacklich sind diese feinen, in Freiheit aufgewachsenen Tiere, meilenweit entfernt von den armen Kreaturen aus den Folterkammern der Massenproduzenten. Ein Genuss, das muskulöse Fleisch zu kosten, eine Freude, die Einfachheit des Gerichts mit Gleichgesinnten zu teilen – und dazu ein paar großartige Flaschen zu öffnen.

2003 Château des Tours – Vacqueyras:

das ist kein Rayas für Arme! Die Handschrift von Emmanuel Reynaud ist sofort zu erkennen. Kirschlikör, provencalische Kräuter, Mineralität und eine eigene, unverwechselbare Note zeichnen diesen Wein aus, der von Freund Norbert als Rayas eingestuft wurde. Dicht daneben ist auch vorbei, trotzdem eine nicht ganz verkehrte Einschätzung dieses unverfälschten, herrlich traditionellen Rhône-Weines, der zu den großen Werten des gesamten Weinmarktes gehört.                    92 Punkte

1995 Château de Beaucastel – Châteauneuf-du-Pape

eine Flasche direkt aus dem Keller der Familie Perrin, frisch verkorkt und erst kürzlich nach Deutschland gelangt. Nach 12 Stunden in der Karaffe immer noch ein wenig unnahbar, kein Châteauneuf, der einem wins Gesicht springt; eher verhaltene Eleganz, deutlich vom Mourvèdre geprägt. Pfeffer, reife Himbeeren, Unterholz und Trüffel; sehr würzig, mit “feinem” Druck, nicht so offensiv und kraftvoll wie andere Weine aus diesem Dorf. Viel mineralische Frische am Gaumen, feine Süße und eine belebende Frische im Abgang. Ein sehr guter, wenn auch nicht großer Beaucastel, der vielleicht noch mehr Luft benötigt hätte. Jean-Pierre Perrin dekantierte einen 89er anlässlich eines Essens auf Beaucastel (Hammer!!!) 24 Stunden vorher. Vielleicht lags daran!  

94 Punkte

2005 Domaine du Pégau  “Cuvée Laurence” – Châteauneuf-du-Pape

einer der ganz großen Châteauneufs, den man momentan sogar noch kaufen kann! Nicht billig, aber neben der 100-Punkte Cuvée “Da Capo” ein Schnäppchen! Pégau wie aus dem Bilderbuch! Dicht, würzig und süß, das großartige Terroir bei jedem Schluck schmecken lassend. Hätte an diesem Abend noch größere Gläser verdient, aber auch so hatten wir Paul und Laurence Féraud bei jedem Schluck vor Augen. Ein Châteauneuf-Monument, eine großartige Mischung aus kraftvoller Würze und toller Finesse – denn genau das macht die Weine dieser so herrlich familiär geführten Domaine aus.  Da wir alle Laurence als Freundin, herzliche Gastgeberin und humorvolle Präsentantin ihrer Weine lieben, ist in meiner Wertung ein Sentimentalitätspunkt drin: 97 Punkte

2005 Domaine La Janasse “Chaupin” – Châteauneuf-du-Pape

auch wenn der Abend schon fortgeschritten war: niemand konnte diesem Wein seine Größe absprechen! Immer noch sehr dunkel, im Duft eigentlich sofort als Janasse zu identifizieren. Süße, ausladende Cassis-Blaubeer-Graphit-Aromen. Dicht, herrlich süß und druckvoll am Gaumen, fast ein Tacken zu viel, aber dem beugt diese unnachahmliche mineralische Frische vor, die Christophe Sabon mit beneidenswerter Kontinuität seinen großartigen Weine einzuverleiben weis. Immer ein großer Genuss, eine Demonstration an Länge und Finesse, mit größter Freude zu trinken und nicht nur für mich stets dem viel gefragteren “Vieilles Vignes” vorzuziehen.         96 Punkte

war ein schöner Abend, der mir wieder einmal vor Augen geführt hat, dass tolle Weine zu öffnen, nur in Gesellschaft guter Freunde wirklichen Sinn macht.

habe die Ehre!

Karl Richter

Das Leben ist kein Zuckerschlecken!

Der Beginn des neuen Jahres ist die Zeit des Reisens. Winzer, ihre Agenten oder Repräsentanten nutzen die ruhigen Wochen vor den großen Weinmessen, um Weinhändler mit ihren Besuchen zu belästigen. Zwölf Stunden könnte ich an manchen Tagen damit verbringen, mich mit Leuten zu unterhalten, die mir die heißesten Tipps aus der Weinszene zuschanzen wollen, oder Angebote unterbreiten, die ich nicht ablehnen könne. Um mich aber vor vielen, dieser zum Teil überflüssigen Gesprächen zu schützen, habe ich etwas ganz besonderes konstruiert, das ich demnächst sogar zum Patent anmelden werde: einen Sympathiefilter! Durch den kommt nur, wer mir genehm ist. Das sind befreundete Winzer, mit denen wir seit Jahren erfolgreich auf einer sehr persönlichen Ebene zusammen arbeiten, Menschen die großartige Arbeit verrichten und gut zu uns passen. Die lade ich dann zu mir nach Hause ein, wo bei erstklassigen Wurstwaren unseres Haus- und Hofmetzgers Herbert Müller aus BO-Wattenscheid entspannt ein paar Weine verkostet werden, übers Geschäft geredet und über Fußball und andere wichtige Dinge des Lebens philiosophiert wird. Das schätzen meine Gäste sehr, würde doch normalerweise so ein Abend im Restaurant verbracht, was selbst für kulinarisch gestählte Winzer nicht jedes Mal ein Vergnügen ist. Nach einer Woche des Reisens durch nicht immer gastronomisch bevorteilte Regionen Deutschlands lechzen sie förmlich nach einem Abend “wie zu Hause”.

Einer, der so einen Abend sichtlich genossen hat, war Mathieu Perrin, dessen Familie mit Château de Beaucastel zu den Aushängeschildern Frankreichs gehört. Mit an Bord hatte er seinen Stadthalter in Deutschland, Olivier Brun, dessen überaus gastfreundliche Familie ein Weingut in Saint-Émilion besitzt.

Es war ein entspannter Abend, mit tiefgrifenden Gesprächen über die Fußballbundesliga, die glorreiche Situation des BVB und die unsicher Zukunft der französischen Equipe, auch in der Kritik von den eigenen Fans liebevoll “Les Bleues” genannt.

Weinmäßig gab es eine Premiere. Die Perrins besitzen an der südlichen Rhône mittlerweile eine beträchtliche Zahl an Weingütern, darunter “Les Cornuds” in Vinsobres. Dieser Ort liegt etwas abseits der berühmten Weinmetropolen Châteauneuf-du-Pape, Vacqueyras oder Gigondas. Von Châteauneuf muss man schon eine gute halbe Stunde fahren, was aber keine allzu große Last ist, führt der Weg doch unentwegt durch eine wunderschöne Landschaft, die mit unzähligen Reben dem Auge schmeichelt.

Vinsobres befindet ganz in der Nähe der Olivenhauptstadt Nyons und besitzt seit ein paar Jahren den Status einer eigenen AOC. Die Perrins bearbeiten auch dort ihre Weinberge biologisch, eine konsequente Haltung und ein Statement zu höchst möglicher Qualität. Das machen sie übrigens auf allen von ihnen in Eigenregie bewirtschafteten Rebflächen so, auf Beaucastel, der Châteauneuf-Ikone, seit über 50 Jahren.

Der frisch gefüllte, von Mathieu entkorkte 2009er Vinsobres “Les Cornuds” ist ein mustergültiger Wein dieses großen Jahrgangs, der an der südlichen Rhône so wunderbar dichte, vom Terroir geprägte Weine hervorgebracht hat. Er ist ein wenig anders als die Weine aus den bekannteren Orten, unglaublich frisch und mineralisch, trotzdem ausgestattet mit der reichen, tiefgründig-würzigen Rhône-Frucht, die wir an diesen Weinen so lieben. Den 2009er “Les Cornuds” werden die Perrins im März für den Verkauf freigeben, zu verkosten wird er wohl definitiv am 2.April in der Weinzeche sein, denn dann wird Château de Beaucastel anlässlich unserer Weinprobe “Frankreich” definitiv zur Stelle sein.

Der große Rhône-Fan und Kenner der Region und ihrer Weine Robert Parker hat ”Les Cornuds” bereits vor mir verkostet und dem Fassmuster 90-93 Punkte gegeben, nicht schlecht für einen Wein, der für ca. 11,00 Euro bald im Laden stehen wird.  Wer wie ich solche Weine mag, auch bereit ist, ein paar Flaschen über die Jahre im Keller reifen zu lassen ,wird reich belohnt. Denn wo sonst, als an der südlichen Rhône, findet der anspruchsvolle Zecher derart große Qualität für sein Geld.

habe die Ehre!

Karl Richter

Lazy sunny afternoon

Der Tag danach: Die jungen Himmelsstürmer des BVB haben am Betzenberg einen Punkt liegen gelassen, eine völlig unberechtigte Gelb-Rote Karte für Neven Subotic kassiert (muss selbst Blau-Weiß bestätigen!) und so den Verfolgern aus der Pillendreherstadt und den Hollänfern aus nördlichen Toskana in die Hände gespielt. Werdet nun nicht nervös ihr lieben Jungs! Ich habe doch schon für den 14.Mai Urlaub genommen, um dabei zu sein, wenn “Jugend Forscht” die Oberhand gegenüber den Großkopferten der Liga behält.

Heute ist Sonntag, und der Tag beginnt wie so oft mit einem erfrischenden Morgenlauf mit Freund Norbert; das sorgt für einen klaren Kopf und ist wichtig in einer Branche, in der lecker Essen & Trinken an der Tagesordnungsteht. Außerdem muss man als Mann “im besten Alter” auch an seine Figur denken!

Aber statt wie geplant in den Wellnesstempel zu gehen, um sich in Sauna und Dampfbad die Sünden der letzten Wochen auszuschwitzen, meint meine liebe Frau, sich um die Einkommenssteuermeldung kümmern zu müssen. 

Da bleibt für mich an einem sonnigen Februar-Sonntagnachmittag Zeit, ein paar Weine zu verkosten. Ich werde bombardiert mit Musterflaschen aus aller Herren Länder (“das müssen Sie probieren, Parker hat 120 Punkte gegeben!”).  Leider fehlt in der Woche oft die Zeit, um alles zu verkosten, was mir so zugeschickt wird und ein Sonntagnachmittag  bietet sich da förmlich an, um der wichtigsten Betätigung eines Weinhändlers nachzugehen: Wein zu verkosten (nicht zu trinken, das kommt natürlich auch vor!)

Eine wilde Mischung stand an: Italiener (Sardinien, Umbrien und Toskana), Spanien (Cariñena) und ein paar Franzosen aus dem Languedoc, einer Region, der ich seit Jahren verfallen bin.

Und genau diese Weine haben mich schlichtweg umgehauen! Zwei Weingüter haben mich förmlich umgehauen: La Grange, das Weingut von Dr. Rolf Freund, der seit Jahren mit seiner Agentur zu den seriösesten Weinimporteuren Deutschlands gehört, so wie Château Larzac, dessen Weißwein vom damaligen Präsidenten Jacques Chirac zur Party am 14.Juli, dem Nationalfeiertag der Franzosen, serviert wurde.

Der rote 2007er Château Larzac ist ein Hammerwein! Wir reden hier nicht über abgedrehte 50,00-Euro-Weine aus der Toskana, sondern über einen Roten, der nicht ´mal 7,00 Euro kostet, aber selbst mich verwöhnten Hund, begeistert hat. Der tiefdunkle, fast schwarze Tropfen packt einen bereits mit seinem Duft. Da ist dieser Hauch Portwein, der signalisiert, dass bei voller Reife gelesen wurde - hätte auch nicht einen Tag später sein dürfen! -, hinzu kommen Noten von reifen Himbeeren, Heidelbeeren und provencalischen Kräutern. Tolle, reife Frucht mit frischen, mineralischen Tanninen und einem knackigen, langen Abgang. Weil Sonntag ist, und ich eigentlich jeden Wein, den ich professionell verkoste, bewerte,  gibt es 90 Punkte und einen zusätzlichen “Emotionspunkt”, denn mit dieser Qualität hatte wirklich nicht gerechnet.

Auf Augenhöhe die Weine der Domaine La Grange: 2009 Merlot “Pabiro” (89 Punkte) und 2009 “Clos Prat Bibal” (90 Punkte)sind extrem dunkle Weine, modern und voll auf die Frucht ausgelegt. Beides gleichermaßen Rotweine für “Freaks” und Weintrinker vom Schlag “Ich kann nur sagen, ob es mir schmeckt oder nicht”. Tolle Frucht, tief und sinnlich, keineswegs Mainstream, und doch für jeden als Klasseweine verständlich. Könnte ich glatt beide heute Abend weiter trinken, aber zum original Wiener Schnitzel mit “Erdäpfelsalat”, wie es meine Söhne Felix und Julian lieben, muss es dann doch ein Grüner Veltliner sein. Das Fleisch stammt vom Metzger meines Vertrauens, dem gr0ßartigen Herbert Müller aus Wattenscheid, um dessen Keller ihn nicht nur ich beneide.

habe die Ehre!

Karl Richter

Wunder gibt es immer wieder!

ich gebe es ja gerne zu: Ich bin voller Vorurteile! Weine, die nicht aus Mitteleuropa kommen, gar aus Übersee, haben es schwer, von mir gemocht zu werden. Ausnahmen sind ein paar große Kalifornier, auch der ein oder andere Argentinier (Malbec) findet meine Gnade, sogar ein Sauvignon Blanc aus Südafrika wird manchmal (selten!) von meinem Gaumen geduldet. Zu sehr bin ich dem Deutschen Riesling verfallen, zu sehr liebe ich die Wahnsinnsrotweine der südlichen Rhône. Aber Bulgarien? Nie und nimmer wäre ich auf die Idee gekommen, einen Balkanwein überhaupt freiwillig zu probieren! Da ist das Vorurteil wie in Beton gegossen!!!

Aber auch Beton kommt in die Jahre und bröckelt. Vor allem, wenn die drei Flaschen, die ich mit nach Hause nahm, von einem Winzer kommen, der nicht ganz unbekannt ist: Stephan Graf von Neipperg, Inhaber einiger nicht ganz unbekannter Weingüter in Bordeaux.

Graf von Neipperg hat vor ein  paar Jahren das bulgarische Bessa Tal bereist und dort eine 2500 Jahre alte Weinkultur vorgefunden, die aber nach jahrzehntelangem sozialistischem Dornröschenschlaf vollkommen am Boden lag. Mit sicherem Gespür sah der Graf (nicht der von Unheilig!) jedoch, dass sich in dieser Region etwas bewegen ließ, pflanzte neu oder brachte `runtergekommene Weinberge wieder in Schuss und brachte nach ein paar Versuchen den ersten Wein auf den Markt. “Enira” heißt das Projekt, unter dem drei Weine vertrieben werden, allesamt reinsortige Merlots. Ich war wirklich überrascht, wie gut diese Weine waren! Es sind satte Fruchtbomben, tiefdunkel, voll reifer, sinnlicher Frucht, einer gehörigen Portion Alkohol (14,5 %) und weichen, geschmeidigen Tanninen. Nichts für Warmduscher! Wer aber voluminöse Rotweine mit feinem Holztouch mag, bei denen der Merlotcharakter nicht verloren geht, der sollte ´mal einen Versuch wagen, denn die Preise für diese Weine (8,95 € – 18,00 €) sind nicht überzogen im Vergleich zu einigen Weinen aus unseren mitteleuropäischen Rotweinländern. Es wird spannend sein, die weitere Entwicklung dieses Projektes zu verfolgen, mich haben die “Enira”-Weine jedenfalls so überzeugt, dass sie bald bei uns im Regal stehen werden.

habe die Ehre!

Karl Richter

Tag des Derbys!

heute Abend die Mutter aller Derbys!

mit den Freunden Réginald, Walter und Martin wird nicht, wie sonst üblich, vorher groß gekocht und toller Wein getrunken. Es geht ganz ruhig vorher zum “Szene-Italiener” DE LUCA gegenüber des Stadions. Hinzu will sich der Schalke-Freund Manni Breuckmann gesellen, der auch als Rentner bei so einem Spiel nicht fehlen darf! Bei Pizza, Pasta und Risotto weden wir uns auf das Spiel einstimmen!!!

Gestern hatte Freund, Gönner (Dauerkartenbesitzer!), Gourmet und großer (!) Weinliebhaber Réginald Geburtstag. Keine große Feier, aber auf ein, zwei Gläser Wein musste ich doch vorbei kommen. Zwei Weine, die es in sich hatten, wurden morgens dekantiert, beide von Emmanuel Reynaud, dem heutigen Inhaber von Château Rayas, der auf seinem Wohnsitz Château des Tours Weine in Flasche bringt, die – zugegeben! – zu unser beiden ganz großen Liebschaften zählen.

Emmanuel ist ein ganz eigener Typ, ein Querkopf, dessen Vertrauen man sich erst einmal erarbeiten muss. Er verabscheut Menschen, die mit dicken Geldbeuteln wedeln, um ein paar Flaschen Rayas zu ergattern. Keine Chance! Einfacher ist es, wenn man den Weg über Château des Tours wählt, denn diese Weine weisen die typische Handschrift des Meisters auf, sind weit mehr als “Rayas für Arrme”, haben auch den Charme, dass sie erst auf den Markt kommen, wenn die Zeit reif ist. So haben wir an Réginalds Geburtstag den Jahrgang 2007 zum ersten Mal probieren können.

Côtes du Rhône und Vin de Pays (Merlot-Anteil) sind Unikate, selbst für mich sofort als typische Reynaud-Weine zu erkennen. Der so typische Kirsch-Mandel-Ton, den man auch bei Rayas schätzt, ist auch hier reichlich vorhanden. Die Weine schmecken schlicht und einfach saulecker, sind für Rhône-Fans ein Muss und weit mehr als Alternativen zu Châteauneuf & Co.  Nichts für schwache Nerven, aber trotz der Fülle Weine, die auch geschliffen und im wahrsten Sinne des Wortes “trinkbar” sind; man freut sich auf den nächsten Schluck und ist überrascht, wie schnell die Flasche leer ist! Kommt wohl vom Biodynamischen Ausbau, den Emmanuel praktiziert, ohne es an die Große Glocke zu hängen. Theorie ist nämlich, dass Biodynamik zu bekömmlicheren, alkoholärmeren Weinen führen kann, die man enfach “gerne trinkt”. Scheint ´was ´dran zu sein, denn wenn es bei mir Weine von Emmanuel gibt, sind diese immer restlos ausgetrunken worden, waren als erste leer. Problem für uns dieses Jahr: von den 2007er gibt nur wenig, die knappe Ernte zwingt Emmanuel dazu, uns höchstens 50 % dessen zu geben, was wir gerne für die Weinzeche hätten. An alle Fans dieser Leckereien also der Rat: schnell zugreifen!

noch gut fünf Stunden bis zum Anpfiff! ab jetzt spielt Wein keine Rolle mehr, außer zum Runterspülen der Pizza!

habe die Ehre!

Karl Richter

Domaine des Aires Hautes – was für ein Wein!

gestern Abend blieb mir doch glatt die Spucke weg!

wie so oft habe ich mir ein paar Musterflaschen mit nach Hause genommen, um sozusagen “Heimarbeit” zu leisten! Es waren ein paar Rotweine aus Südfrankreich, Italien und Argentinien. Alle so in der Preisklasse 8,00 bis 10,00 €.  Als “Benchmark” musste auch einer unserer absoluten Renner mit in die Verkostung, auch um zu überprüfen, ob die Qualität weiterhin so ist, wie ich es mir jahrelang eingebildet habe:

Domaine des Aires Hautes – Minervois Jahrgang 2009.

Der tiefdunkle, tintige Wein fegte alle Mitbewerber vom Tisch! Mit seiner satten Frucht, den Massen an reifen Beerenaromen, feinen Gewürznoten und reichlich mineralischer Frische stand er deutlich über den Mitbewerbern.

Es ist eine Schande, dass Gilles Chabbert, der gemeinsam mit Bruder Eric, einem Apotheker, so hart arbeiten muss, um tolle Weine in die Flasche zu bringen, von Journalisten, Weinforen etc. aber überhaupt nicht beachtet wird! Gilles ist einer dieser zurückhaltenden, ja scheuen Winzer, der sein Aufgabe darin sieht, Spitzenqualitäten im Einklang mit der Natur zu erzeugen. Und das geht nun einmal nur, wenn man die meiste Zeit im Weinberg verbringt. Ich kann nur jedem empfehlen, die Weine der Domaine des Aires Hautes zu probieren, Besseres wird man fürs Geld woanders kaum finden!

Meine Wertung: 90 +

habe die Ehre!

Karl Richter 

Und siehe da, der 2009