Bandol Teil II

A Star is born!

 

In Bandol gibt es zwei Winzergenossenschaften, die kurioserweise auch noch direkt nebeneinander liegen! Vor Jahren gab es da wohl Zoff unter den Genossen, was dazu führte, dass zwei selbständige, voneinander unabhängige Cooperativen gegründet wurden, die beide in La Cadière d´Azur, nur einen Katzensprung von der Autobahnausfahrt ansässig sind.

Die bessere ist ganz klar Moulin de La Roque, zu deren Mitgliedern seit Jahrzehnten die Familie De Salvo gehört, die über stattliche 35 Hektar Weinberge in besten Lagen verfügt.

Filius Robert liefert weiterhin die meisten Trauben in der Cooperative ab, die seiner Filetstücke verarbeitet er jedoch unter dem Namen Bastide de La Ciselette selbst.

2010 war sein erster Jahrgang und sofort wurde sein Bandol Rosé mit Auszeichnungen überschüttet: Goldmedaille in Paris und bester Rosé bei „Vinalis, wo französische Sommelliers die besten Weine des Landes küren  – kein schlechter Auftakt fürs Debüt!

Roberts Erzeugung ist klein, von seinem roten Bandol Jahrgang 2010 werden lediglich 3.000 Flaschen abgefüllt, um die sich jetzt schon die Restaurants der Provence reißen.

Neben dieser kleinen Menge an rotem und rosé Bandol bringt Robert aber auch zwei sehr preiswerte Landweine unter die Leute, die von Randlagen der Appellation mit jungen Reben stammen und deutlich günstiger als die Bandols sind.

Roberts Weingut Bastide de La Ciselette steht zwar ganz am Beginn der Entwicklung, gehört aber bereits jetzt, mit dem zweiten Jahrgang zu den ganz heißen Tipps der Region Bandol.

2011 Bastide de La Ciselette    Vin de Pays du Var Rosé

Was für ein köstlicher „kleiner“ Rosé! Ganz helles Lachsrosa, die typische Provencefarbe. Glasklarer Duft: Himbeere, Zitrus, Erdbeere, kühles Gestein, ein Hauch Minze. Herrlich frischer, fruchtiger Geschmack, angenehme Kühle, dadurch sehr erfrischend. Zarter mineralischer Touch, gut eingebundene Säure. Rosé wie aus dem Bilderbuch, besser als etliche Weine, die mit dem Namen Bandol protzen und deutlich teurer sind.

88 Punkte

2011 Bastide de La Ciselette    Vin de Pays du Var Rot

Sehr dunkel; offensiver Duft mit Noten von Heidelbeere, Himbeere, Kirsche, Provencekräutern. Frische, richtig leckere Frucht mit einer kühlen Note, die ihn zu einem Sommerrotwein par Excellence macht. Kann man leicht kühlen, so schmeckt er zur Grillparty perfekt.

Diese „kleinen“ Weine, die preiswerten und gleichzeitig niveauvollen Genuss bieten,  zeichnen große Winzer aus. Teuer kann schließlich jeder.

88 Punkte

2010 Bastide de La Ciselette  Bandol Rosé

Robert De Salvos Debütjahrgang ist einer der besten von mir jemals verkosteten Rosés.

Mit dem Namen Bandol  schmücken sich ja leider auch Weine, die nur wenig Freude verbreiten und preislich doch locker die 10-Euro-Marke überspringen.

Roberts Exemplar ist ein traumhafter Wein von heller Farbe, der einen Super-Duft besitzt.

Waldbeeren, Kirsche, englische Drops, Mandarine, Eisenkraut, Limette etc. Im Geschmack sensationell fruchtig, kühl und rassig; sehr mineralisch, da schmeckt man ganz einfach, dass die Reben auf erstklassigem Terrain stehen. Wer immer noch Rosé für ein belangloses Sommergetränk, sollte sich auf den Weg nach Le Brulat im Hinterland von Bandol machen und versuchen, ein paar Flaschen von diesem Göttertrunk besorgen.

Etwas Besseres zu einem sommerlichen Grillabend mit ein paar Lammkoteletts wird sich schwerlich finden lassen.

92 Punkte

2010 Bastide de La Ciselette  Bandol Rot – Fassprobe

Nur 3.000 Flaschen werden von Roberts rotem Bandol auf den Markt kommen. Ein einziges Fass von einem der besten Hersteller Frankreichs war gerade gut genug, um den Wein von den besten Parzellen mit den ältesten Reben reifen zu lassen.

Kein Bandol der herzhaft-würzigen Art, sondern ein hocheleganter, finessenreicher Rotwein, der fast burgundisch rassig über die Zunge läuft. Im Duft Waldbeeren, Kräuter, Graphit und etwas Edelholz. Süße, feinwürzige Frucht mit reichlich mineralischer Frische und seidigen, ja noblen Tanninen. Ausgewogen und lang. Voll auf Rasse und Eleganz ausgerichteter Bandol, der den Platzhirschen Konkurrenz machen wird.

92-93 Punkte

 

 

Bandol – Teil 1

Bandol – unbekannte Schönheit 

Der Küstenstrich zwischen der Millionenmetropole Marseille und Toulon mit den berühmten Buchten der Calanques und den Seebädern Cassis, Bandol und Sanary sur Mer gehört zu den landschaftlich schönsten Regionen Frankreichs. Auch hier wird natürlich Wein angebaut, der in den Restaurants der Küste von Einheimischen und Touristen fleißig konsumiert wird. Vor allem Rosé aus Bandol ist der letzte Schrei, jedes halbwegs vernünftige Lokal führt mindestens zwei oder drei dieser Köstlichkeiten auf der Weinkarte, gilt er doch bei vielen als bester Rosé Frankreichs.

Die Anbauflächen sind überschaubar; Cassis verfügt gerade einmal über 170 Hektar Reben, Bandol mit knapp 1.800 Hektar schon ein bisschen mehr. Die Weinberge der Appellation Bandol liegen hauptsächlich rund um die Gemeinden La Cadière d´Azur, Le Brulat und Le Castellet. Diese großartige Landschaft birgt einige der interessantesten Weine ganz Frankreichs, die leider in Deutschland viel zu wenig bekannt sind.

Das Maison du Vin in Bandol vertritt die namhaftesten Weingüter, dort kann man probieren und zum Weingutspreis einkaufen. Praktisch, kann man sich als Tourist doch so den Besuch auf den Weingütern sparen.

Das kommt für unsereins natürlich nur bedingt in Frage, liegen doch die besten Weingüter nah beieinander, so dass „Weingutshopping“ leicht zu bewältigen ist.

Neben dem besten Weingut, der Domaine Tempier, gibt es natürlich noch einige andere Spitzenerzeuger, die es mir angetan haben.

Domaine de La Tour du Bon

Agnès Hocquard ist eine der angenehmsten Personen der südfranzösischen Winzerszene. Sie hat La Tour du Bon vor ein paar Jahren von ihrem kürzlich verstorbenen Vater übernommen, der das Weingut nach dem zweiten Weltkrieg gegründet hatte.

La Tour du Bon liegt idyllisch auf einem kleinen Hochplateau mit Sicht auf die traumhaft schöne Landschaft und die umliegenden Weinberge.

La Tour du Bon gehört heute zu den Top Five in Bandol, Agnès hat auf biodynamischen Anbau ungestellt, um so den Charakter des Terroirs optimal entfalten zu können. La Tour du Bon-Weine sind keine Blockbuster, sondern Muster an Ausgewogenheit, Tiefe und Eleganz, lange haltbar und ein wunderbarer Kontrast zu den vielfach langweiligen Rotweinen der Provence.

2011 La Tour du Bon Bandol weiß

(85 % Clairette, 10 % Vermentino, 5 & Rolle) 7.April 2012

Ich bin kein großer Fan der südfranzösischen Weißweine, Agnès Hocquards Exemplar hat es mir aber angetan. Kurz nach der Füllung noch etwas verschlossen, mit zartem Duft (Blüten, Zitrus, Eisbonbon, Anis, Mineralien) und knackig-frischer Frucht. Vollkommen trocken, mit einem schwungvollen Mineralkick und feiner Säure. Angenehm kühl und aristokratisch. Passte perfekt zum geangelten Loup de Mer, der auf einem Bett aus wildem Fenchel, Knoblauch, Zitrone und Piment d´Espelette im Ofen garte.

89 Punkte

 

2011 La Tour du Bon  Bandol rosé  7.April 2012

(35 % Grenache, 25 % Mourvèdre, 30 % Cinsault, 10 % Clairette)

Helles Lachsrosa, ganz feine, dezente Nase: Orangenschale, Zitrus, Himbeere, Fenchel, Jod, kühle Steine, sogar Mandarine, wenn man ganz fest daran glaubt! Ausdrucksstarke Frucht, aber nicht aufdringlich; frische Säure und ein mineralischer Punch, wie man ihn bei Rosés ganz selten findet. Große Eleganz meets südliche Sinnesfreuden. Rosé für Leute mit besonderem Geschmack, lecker als Apéro oder zu Scampis vom Grill.

90 Punkte

 

2009 La Tour du Bon  Bandol rot  7.April 2012

(55 % Mourvèdre, 25 % Grenache, 15 % Cinsault, 5 % Carignan)

Eine Woche nach der Füllung noch ein wenig distanziert, dennoch ein toller Wein. Sehr dunkel, fast schwarz. Herrlich beeriges Duftspiel. Blaubeere, Kirsche, Brombeere, Pflaume, ein Hauch Graphit und mediterrane Kräuter. Dicht, aber nicht fett, süß und rassig, eine angenehme Kühle ausstrahlend. Frisch und lebendig am Gaumen, mit zartem Biss im Abgang. intellektueller Weingenuss für diejenigen, die gerne ausgetretene Pfade verlassen wollen. Sicher noch ein pubertärer Jugendlicher – aber ein hoch talentierter!

92 Punkte

 

2009 La Tour du Bon „Saint Ferreol“  Bandol rot  7.April 2012

(85 % Mourvèdre, 15 % Carignan)

Ein kleiner Weinberg hinter dem Haus liefert die Mourvèdre-Trauben für diese Spezialcuvée, die nur in großen Jahren separat abgefüllt wird.

Dichtes, sattes Purpurrot mit dunkelblauen Reflexen. Nobler Duft nach Cassis, Kirsche, Lakritz und feinem Tabak. Reif und konzentriert, mit angenehmer Kühle und feinster Mineralität. Große Eleganz und Frische. Ein wahrlich großer Mourvèdre, der zeigt, was in dieser Rebsorte steckt, wenn sie auf geeigneten Böden gepflanzt wird.

93 Punkte

 

2005 La Tour du Bon „Saint Ferreol“  Bandol rot  7.April 2012

(85 % Mourvèdre, 15 % Carignan)

Ein großer Rotwein wird durch Lagerung nicht „besser“, er verändert sich, schleift Säure und Tannine ab, wird so „trinkbarer“. Natürlich ist es nur wenigen vergönnt, auf einem Weingut diese Erfahrung anhand der Top-Cuvée zu machen, ich schätze es darum umso mehr, wenn man mir die Möglichkeit gibt und danke Agnès dafür.

2005 war natürlich auch in Bandol ein richtig guter Jahrgang, so dass auf La Tour du Bon ein „San Ferreol“ angefüllt wurde.

Immer noch sehr dunkel, jetzt aber mit einem feinen braunen Rand. Im Duft jetzt weniger Fruchtnoten, dafür Trüffel, Lakritz und Tabak. Dicht und süß auf der Zunge, mit mineralischem Schwung im Abgang. Geht nach ein paar Jahren der Reife fast in Richtung Bordeaux. Ein großer Médoc hätte es sicherlich nicht leicht, wenn man ihn daneben stellt.    Passte großartig zu einem Huhn aus den Landes, das mit reichlich Knoblauch, Schalotten und Olivenöl im Ofen garte.

93 Punkte

 

 

 

 

Der Ball ist rund und ein Spiel ist auch nach 90 Minuten noch nicht zu Ende!

Die Bundesliga geht in die entscheidende Phase und am 28. Spieltag war der VfB Stuttgart beim amtierenden Deutschen Meister zu Gast.

In einem denkwürdigen, am Schluss dramatischen und spektakulären Spiel gab es ein 4:4 Unentschieden. Keine Frage, ein Rückschlag im Kampf um die Meisterschaft für den BvB.

Vorher war aber das traditionelle „Borussiahäppchen“ mit den Freunden Réginald und Martin angesagt. Es ist immer ein großes Vergnügen, vor einem Fußballspiel in entspannter Atmosphäre gemeinsam zu kochen und ein paar gute Weine zu öffnen.

2011 Van Volxem Saar Riesling

Roman Niewodniczanskis Riesling ist mittlerweile ein Klassiker. Im Jahrgang 2011 hat Niewo den Stil seines Bestsellers perfektioniert. War der Saar-Riesling in den ersten Jahren eher feinherb, also mit einer deutlichen Restsüße ausgestattet, so präsentiert er sich aktuell als deutlich trocken schmeckender Wein voll reifer, herrlich aromatischer Frucht und einer kühl-mineralischen Note, die in Kombination mit der perfekt integrierten, reifen Säure ein Saarweinerlebnis der ganz besonderen Art liefert. In dieser Form sicher ein Kandidat für meinen „trockenen Riesling des Jahres für fast alle Gelegenheiten“.

Der Wein wurde drei Stunden vorher angeliefert und präsentierte sich blendend. Man muss nicht zwangsläufig einem Wein „4 Wochen Ruhe geben“ nach dem Transport, da verpasst man ja das halbe Leben!

90 Punkte

 

2002 Château Doisy- Daëne   Sauternes

Zur Gänseleber-Variation musste es ein Süßwein aus Bordeaux sein. 2002 ist zwar kein großer Sauternes-Jahrgang, das was sich aber im Glas präsentierte, war Süßweinspaß auf sehr hohem Niveau. Satte goldgelbe Farbe, in der Nase Honig, getrocknete Aprikosen, Feige, Walnuss, Zitrus und auch Gestein. Feine, intensive Süße mit einer lebendigen Säure, die für Schwung am Gaumen sorgt. Trotz der Süße ein frischer Sauternes (eigentlich ja Barsac), sehr trinkbar und ein perfekter Begleiter zur leckeren Leber.

92 Punkte

 

 

2008 Château de Cazeneuve „Le Roc des Mates“ Pic Saint Loup

André Leenhardt gehört zu den Architekten der Appellation Pic Saint Loup. Rund um Montpelliers dramatisch in die Landschaft ragenden Hausberg liegen begnadete Weinberge, auf denen hauptsächlich Syrah und Grenache gepflanzt ist.

Der 2008er „Roc des Mates“ ist kein sehr dunkler Wein, sieht fast aus wie ein Pinot Noir. Im Duft Tabak, Trüffel, reife Johannisbeeren, Unterholz, mineralisch. Feine Frucht, keine Wuchtbrumme, eher burgundisch gestrickt, wohl aber mit der Fruchtwürze des Südens ausgestattet. Bereits jetzt ein Genuss, passte sehr gut zum Karrée vom Duroc-Schwein mit Kartoffel-Spinat-Zwiebel-Stampf.

91 Punkte

 

 

1988 Domaine de Trévallon   Les Baux de Provence

Eloi Dürrbachs Domaine de Trévallon ist eine Legende aus der Provence. Vor gut 40 Jahren pflanzte er die ersten Cabernet- und Syrah-Reben, beseelt von der Idee, in dieser Region einen großen Rotwein herzustellen. Heute finden sich Trévallon-Weine in mehr als 600 französischen Restaurants.

Der 1988er Trévallon galt lange Zeit als unnahbar und verschlossen. Unsere Flasche wurde aber zeitig dekantiert, so dass sich dieser rare Wein in aller Ruhe entfalten konnte.

Sehr dunkle Farbe, dieses magische Rot mit einem ganz leichten Stich ins Braune, was viele große Weine auszeichnet. Brillanter Duft nach dunklen Waldbeeren, Trüffel, provencalischen Kräutern, Malzbonbon, Balsamico und kubanischem Tabak. Am Gaumen dicht und süß, sehr schön gereift, aber noch immer mit Potential für weitere 5-8 Jahre. Ausgewogen, konzentriert und nobel im Aufbau, mit reifen, immer noch präsenten Tanninen. Ich glaube kaum, dass es in ganz Frankreich viele Weine aus 1988 gibt, die deutlich besser sind. Glücklich sind diejenigen, die so etwas noch im Keller haben.

94 Punkte

1990 – das Jahr in dem wir Weltmeister wurden!

Einmal im  Jahr fahre ich zu meinem Freund Marc Buelinckx nach Belgien, um in ruhiger, vollkommen entspannter Atmosphäre an einem Tag über 100 Weine zu verkosten. Marc wohnt in Flandern, auf dem platten Land, dort wo es außer weiten Feldern, ein paar Bauernhöfen und der Bahnstrecke des Thalys nicht viel zu sehen gibt. Brüssel ist noch eine gute halbe Stunde auf der schnurgeraden Autobahn entfernt. Erinnert mich an Bilder von Bruegel.

Marc vertritt einige Top-Winzer, mit denen wir seit langem zusammen arbeiten. Darunter Pierre Clavel und Sébastien Vincenti (Domaine Fondrèche), die beide zugegen waren und ihre aktuellen Jahrgänge verkosten ließen.

Abends nach getanem Werk musste vor dem Essen erst einmal ein Bier her. Das ist so Sitte in diesem Haus, in dem neben dem Wein auch das belgische Volksgetränk als Kulturgut gepflegt wird.

Zum Essen schafften wir dann nur noch einen Wein, aus großer Flasche und großem Jahrgang. Der hatte es aber in sich!

 

 

1990 Clos du Mont Olivet „Cuvée du Papet“

1,5 Liter Magnum

Clos du Mont Olivet steht längst nicht so stark im Focus der Rhône-Maniacs wie z.B. Pégau, Clos Saint Jean, Rayas oder Beaucastel. Dabei wird auf dieser Domaine seit Jahrzehnten guter Wein erzeugt, der in seiner traditionellen Art die Freunde eines Old-Style-Châteauneufs beglückt.

Die „Cuvée du Papet“, eine Selektion der ältesten Reben, wurde erstmals 1989 erzeugt; ausgebaut im traditionellen Fuder, kein Barrique-Einsatz.

„Cuvée du Papet“ 1990 ist ein Hammerwein! Jetzt auf den Punkt gereift und sicher noch gut und gerne 10 Jahre vor sich. Ein sehr traditioneller Châteauneuf-du-Pape, keine moderne Fruchtbombe à la Philippe Cambié, dem begnadeten Önologen, der in den letzten Jahren so viel bewirkt hat an der südlichen Rhône.

In der Farbe ein dichtes, konzentriertes Granatrot mit einem leicht bräunlichen Rand. Im Duft eine irrwitzige Mischung: reife Waldbeeren, Trüffel, Malz, Balsamico, Kräuter der Provence, Sojasoße etc….

Dichte, konzentrierte Frucht, reif, alle Ecken und Kanten sind abgeschliffen; viel Druck am Gaumen, aber auch fein und wunderbar balanciert, immer noch mineralisch-frisch und rassig. Klingt minutenlang nach, ist keine Spur marmeladig, sondern ein Wunder an Komplexität. Wer so etwas noch im Keller hat, darf sich bei mir melden!

97 Punkte

 

 

Ein paar Tage später waren Freunde bei uns zu Hause, und mir war nach einem weiteren Châteauneuf aus dem Jahrgang 1990.

Clos Saint Jean ist eines der großen Weingüter im Ort. Seitdem Parker seit 2003 jeden Jahrgang euphorisch bewertet hat, ging bei Vincent und Pascal Maurel die Post ab. Es gab jedoch auch ein Leben vor 2003, dem Jahr, als Vater Maurel starb und die beiden Brüder Philippe Cambié als Berater hinzuzogen.

Die Weine der Prä-Cambié-Zeit waren nicht immer spektakulär, manchmal aber doch von sensationeller Qualität: Stilistisch eher alte Schule, von modernem Önologen-Zauber weit entfernt. Es gab auch nur einen Rotwein bei Clos Saint Jean, die Monster-Cuvées COMBE DES FOUS und DEUS EX MACHINA kamen erst mit Cambié als önologischem Berater.

Der gute Philippe war 1990 noch nicht aufgetaucht, der Wein wurde noch in altväterlicher Tradition erzeugt. Das aber durchaus gekonnt!

Dichte Farbe, sehr konzentriert; reifes Rot mit einem leicht braunen Rand. In der Nase Trüffel, Champignons, Malzbonbon, dunkle Sojasoße, tiefgründig und geheimnisvoll. Am Gaumen süß und reif; herrlich vielschichtige Frucht, weiche Tannine, ein Hauch Mineralität und viel Provence-Feeling im Glas; wunderbar ausgewogen und bei aller Fülle noch elegant und frisch. Ein zeitloser Wein traditioneller Machart, der beweist, wie gut große Châteauneufs reifen können.

Die Flaschen stammen direkt aus dem Keller der Maurels. Keine Chance aber für Rhône-Freaks! Vincent Maurel rückt nur für Freunde mal ein paar Flaschen raus – und mit genau solchen Freunden werde ich meine letzten Flaschen trinken!

97 Punkte

 

Giorgio der Große!

Die Prowein in Düsseldorf ist eine der bedeutendsten Weinmessen weltweit. Anfang März stellten wieder tausende Winzer aus aller Herren Länder ihre neuen Jahrgänge vor, in der Hoffnung auf gute Geschäfte. Der Zulauf war ungebrochen wie in den Jahren zuvor. Weinhändler, Gastronomen und auch Leute, die dort eigentlich nichts zu suchen hätten, drängelten sich an den Ständen, um die besten Tropfen verkosten zu können.

Das kann schon in harte Arbeit ausarten, jedenfalls dann, wenn man konzentriert verkostet, konsequent die bereit stehenden Spucknäpfe nutzt und für jeden Wein Verkostungsnotizen niederschreibt.

Die meisten Weine auf solchen Messen fallen bei mir unter die Rubrik „Arbeit“. Ein großer Moment jedoch, der nicht unter diese Rubrik fiel, war das Treffen mit Giorgio Pelissero, einem der besten Winzer des Piemonts.

Giorgio hatte sein komplettes Sortiment am Start, und ich war gespannt auf die neuen Jahrgänge, hatten mich die Vorgänger doch immer schon begeistert.

Das, was Giorgio mir dann präsentierte, war allerdings ein großer Schritt nach vorne, eine deutliche Steigerung und mit das beste, was ich in letzter Zeit aus Piemont verkostet habe.

Mit den Jahrgängen 2008, 2009 und 2010 hat er den Sprung an die Spitze geschafft und darf sich auf Augenhöhe mit den – noch – berühmteren Namen Gaja, Giacosa etc. fühlen.

 

2010 Dolcetto d´Alba „Munfrina“

Giorgios Dolcetto ist eine tiefdunkle Schönheit voll tiefgründiger, wollüstiger Frucht. Pflaume, reife Kirschen, Cassis, Gestein; ein Duft zum Niederknien. Satte, konzentrierte Frucht mit seiden Tanninen und toller Frische. Klebt lange am Gaumen, ohne jeden Anflug von Marmelade. Dank feiner Säure strahlt er vor Lebendigkeit und versprüht piemonteser Lebendfreude. Ein Dolcetto, der in einer eigenen Liga spielt und das Image vom Brot-und-Butter-Wein, das dieser Sorte immer noch anhängt, gehörig durcheinander wirbelt. Sagenhaft guter Wein, zu dem man sich in der Küche richtig viel Mühe geben sollte, vielleicht mit selbstgemachten Bandnudeln und einer Soße aus frischen Tomaten, plus einem Top-Olivenöl und fisch geriebenem Parmiggiano. Ist gar nicht so schwer!

91 Punkte

 

 

2009 Barbera d´Alba „Piani“

„Piani“ stammt von einem Weinberg mit alten Barbera-Stöcken. Das schmeckt man bei jedem Schluck! „Piani“ ist extrem dunkel, fast schwarz, haut mit einem spektakulärem Duft um, in dem man alles Mögliche zu erkennen glaubt: Schwarzkirsche, Bombeeren, Blaubeeren, Kakao, Bitterschokolade, Kaffee, Vanille und mediterrane Gewürze. Ein Hauch Holz steht ihm gut, verzahnt sich perfekt mit der rauchigen Frucht zu einem Barbera-Erlebnis der besonderen Art. Satt, dicht und konzentriert, lebendig und schwungvoll am Gaumen. Toller mineralischer Kick, der zusätzlich Leben in die Bude bringt.

Wer Barbera immer noch für den Arme-Leute-Wein der piemonteser Bauern hält, wird hier eines Besseren belehrt!

93 Punkte

 

 

 

2010 Nebbiolo d´Alba

Sie kaufen auch schon mal bei Aldi oder Lidl einen Barolo zu 9,99 €, sind dann aber enttäuscht, dass Ihre Flasche so gar nichts vom „Wein der Könige“ hat? Selber Schuld, von so etwas muss man die Finger lassen! Lieber ein paar Euro mehr ausgeben und einen Nebbiolo aus gutem Haus nehmen.

Giorgio Pelissero hat so einen Wein im Repertoire. Es ist ein Nebbiolo mit rauchiger Himbeer-Erdbeer-Frucht, dem Duft verwelkter Rosen, etwas Gummiabrieb, Trüffel und Kräutern. Klare, aromatische Frucht, mit feinem Biss, der so Nebbiolo-typisch ist. Denn eines ist gewiss: Nebbiolo-Weine sind nichts für Warmduscher, sind keine Weichspüler ohne Ecken und Kanten, sondern Querköpfe, die nach einer gewissen Zeit der Reife erst ihren Charme zeigen.

91 Punkte

 

 

2008 Barbaresco „Nubiola“

Giorgio hat drei Barbarescos im Programm, „Nubiola“ ist der Einstieg. Der aber hat es bereits ins sich! Nebbiolo läuft zu großer Form auf, protzt mit reifer, feinwürziger Frucht, Veilchen- und Himbeeraromen, ein Hauch Teer und nur ganz wenig Holz. Giorgio besitzt schließlich kein Sägewerk. Süß und würzig, mit kühlender Mineralität und reifen Gerbstoffen. Lang und intensiv. Braucht ein großes Glas, damit sich die Pracht entfalten kann. Ein Roastbeef in den Ofen, bei 80 Grad lange garen lassen, Röstkartoffeln und eine Rotwein-Schalottensoße dazu. Muss man ja nicht mit „Nubiola“ zubereiten, der „einfache“ Nabbiolo reicht da auch.

93 Punkte

 

Zeit lassen!

 

die Weine der südlichen Rhône, insbesondere natürlich die aus Châteauneuf-du-Pape, gehören zum Besten, was man für Geld kaufen kann. Punkt! Ob hochwertige Côtes du Rhône, Gigondas, Ventoux, Vacqueyras oder eben Châteauneuf, die Quintessenz des Rotweins findet man im Süden Frankreichs, im Dunstkreis der alten Papststadt Avignon.

Das Tolle an diesen Weinen ist, dass sie bereits in ihrer Jugend verdammt viel Spaß machen und ihre Klasse bereits in vorpubertärer Zeit entfalten.  Andererseits gibt es dort unten viele Weine, die erst nach angemessener Reifezeit im Keller zu Hochform auflaufen. Das sind dann meist Weine von Winzern, die, wie man so schön sagt, “traditionell” arbeiten, was nichts anderes heißt, dass man mit wenig Schickschnack auskommt und im Keller so arbeitet, wie es bereits die Vorfahren getan haben.

Zwei wirklich grandiose Weine aus Châteauneuf habe ich in letzter Zeit getrunken. Einer war sicher keine große Überraschung, der andere umso mehr.

 

1998 Domaine du Pégau „Cuvée Réservée“ Châteauneuf-du-Pape

Ja, ja, das ist jetzt sicher nicht die Neuigkeit des Jahres, aber die Größe dieses Weines soll hier ganz einfach noch einmal gewürdigt werden und Ansporn sein für diejenigen, die zu wenig Geduld haben bei Châteauneufs dieses Kalibers.

Paul und Laurence Féraud haben in diesem großen Jahrgang einen Hammerwein in die Flasche gebracht, der mit jeder Flasche begeistert.

Sehr dunkle Farbe für eine „Cuvée Réservée“, tiefgründiger, berauschender Duft nach reifen Brombeeren, Pflaume, Trüffel, Unterholz, Leder, mit dem typischen „Pégau-Stinker“. Alles sehr ausladend, braucht viel Platz im Glas. Dichte, süße Frucht, satte „dunkle“ Aromen, reife Beeren, Garrigue, alles mögliche, wonach es in der Provence eben riecht. Der Wein hat Power ohne Ende, ist aber nicht „zu viel des Guten“, sondern auch ausgewogen und auch rassig. Irrsinnig lang und mineralisch am Gaumen. Großes Châteauneuf-Kino und eine Bestätigung für die Langstreckenqualität von Pégau.

96 Punkte

 

 2000 Domaine Pierre André   Châteauneuf-du-Pape

Diese Domaine unter der Leitung von Jacqueline André steht überhaupt nicht auf der Liste Châteauneuf-Auguren. Parker hat mal ein paar Jahrgänge gut bewertet, das war´s aber auch schon. Das Weingut war einer der ersten Bio-Betriebe der Region, heute gibt´s viele, die nachgezogen haben.

Der 2000er schlummerte ein paar Jahre in meinem Keller, ohne dass ich große Lust verspürte, ihn zu entkorken. Da liegen leider viele Flaschen in direkter  Nachbarschaft, die auf den ersten Blick mehr Glamour ausstrahlen. So kann man sich aber täuschen!

Nach einem anstrengenden Tag auf der Prowein schickte ich meinen Sohn in den Keller, um nach der ganzen Verkosterei einen richtigen Schluck zum Abendessen zu haben. Brav dem Auftrag des Vaters folgend, wurde die Flasche dekantiert und in meinen Lieblingsgläsern von René Gabriel serviert.

In diesen wirklich guten Gläsern, aus denen ich seit geraumer Zeit alle Weine trinke und verkoste, stand ein extrem dunkler Roter mit einem spektakulären Duft nach Schwarzkirsche, Cassis, Waldbeeren, Graphit, Malz, Balsamico und Provencekräutern. Süß und konzentriert, mit viel Schmackes am Gaumen, auch frisch und lebendig, mit Unterholznoten und einem Hauch Trüffel nebst Champignons. Lang und heftig im Abgang, mit tollem mineralischen Druck und reifen Gerbstoffen. Eine große Überraschung, die gezeigt hat, dass auch Betriebe aus der „zweiten“ Châteauneuf-Reihe zu großen Taten fähig sind. Wer also irgendwo noch ein paar Flaschen dieses Weines findet, sollte beherzt zugreifen. Pierre André ist immer moderat im Preis gewesen, mehr als 30,00 € dürfte die Flasche nicht kosten.

95 Punkte

 

Bordeaux 2010 – wieder ein großer Jahrgang!

Der Verkostungsmarathon liegt hinter uns! Sechs Tage in Bordeaux, viele Kilometer im Auto gesessen, viel zu viel gegessen, ebenso viel getrunken. Die Woche, in denen die Weingüter des Bordelais ihre Jungweine, die „Primeurs“ präsentieren, ist hart. Morgens um 8.00 geht es los, durch den obligatorischen Stau, um den man nur herum kommt, wenn man ein Hotel außerhalb der City bucht, hinaus ins Médoc, nach Saint-Émilion oder Pomerol. Überall warten große Präsentationen auf Weinhändler und Journalisten aus aller Herren Länder.
Dass der Jahrgang 2010 kein schlechter ist, wusste man bereits vorher. Manche Winzer prognostizierten bereits während der Lese, er sei besser als der magische Vorgänger.

Nach einer Woche mit vielen Verkostungen auf den Châteaux, bei Händlern und auf Gemeinschaftspräsentationen steht mein Urteil fest: 2010 ist ein weiterer ausgezeichneter Jahrgang, der mit manchen Regionen tatsächlich nicht schlechter als 2009 ist; manchmal sogar einen Hauch besser!
Die Weine des Médocs präsentierten sich am homogensten, Ausfälle habe ich bei keinem Weingut verzeichnet. Die Cru Classées aus Margaux, Saint-Julien, Pauillac und Saint-Estèphe boten ein ausgezeichnetes Bild – das muss man bei den Preisen aber auch erwarten!
Spannender für mich ist die mittlerweile kaum noch überschaubare Gruppe der Cru Bourgeois. Auf Château d´Agassac standen mehr als 200 Weine auf den Tischen!
Darunter ein paar echte Perlen, die mit wunderbar klarer, reifer Cabernet-Frucht überzeugten.
Diese Weine bieten wunderbaren Trinkgenuss zu gutbürgerlichen Preisen.

Meine Favoriten aus dem Médoc (Cru Bourgeois etc.):

2010 Château Rollan de By – Médoc 91
Seit ein paar Jahren der Darling vieler Weinhändler. Hier wird gearbeitet wie auf einem Grand Cru Classée, und so schmeckt der Wein auch! Tiefdunkel, „großer“ Duft nach Cassis, Graphit und Heidelbeeren; süße, sexy Frucht mit reifen Tanninen und viel mineralischer Frische. Konzentriert, aber nicht breit, wunderbar elegant und schmissig. Mehrfach verkostet.

2010 Château Haut-Condissas – Médoc 93 +
Das ist sozusagen die Auslese von Rollan de By, der „Grand Vin“, komplett im neuen Holz ausgebaut, z.T. sogar in speziellen Barriques vergoren. Da muss man nicht große diskutieren, dieser fast schwarze Wein mit seinem berauschenden Duft nach Cassis, Pflaume, Brombeere und Schokolade bewegt sich auf Cru Classée-Niveau. Dicht und komplex, konzentriert und rassig, sehr lang und frisch. Toller Stoff! Wer braucht da noch Lafite etc. zu vollkommen abgedrehten Preisen? Mehrfach verkostet.

2010 Poitevin – Médoc 88-89
Seit Jahren einer unserer Lieblinge! Hier kriegt man ganz einfach einen blitzsauberen Wein für wenig Geld! Médoc wie aus dem Lehrbuch: Dunkelbeerige Frucht mit Noten von Heidelbeere, Cassis, einem Hauch Kaffee. Feine, intensive Frucht, blitzsauber gestrickt und fein-mineralisch im langen Abgang. Für Schnäppchenjäger ein Muss! Mehrfach verkostet.

2010 Château Cambon-La Pelouse – Haut-Médoc 92
“BITURICA” nennt sich eine Gruppe junger und nicht mehr ganz so junger Winzer, die eine Art „Off-Bewegung“ gegründet haben, um dem traditionellen bordelaiser Tamtam zu entfliehen. Der Qualitätsstandard ist sehr hoch, die Preise dieser Weine jedoch nicht.
Cambon-La Pelouse machte einen hervorragenden Eindruck: Tiefdunkle Farbe, herrlich süß-mineralischer Duft mit viel Cassis, Heildelbeere, einem Hauch Kaffee und Graphit. Reife, satte Frucht mit feinen Tanninen und viel Schwung im langen Abgang. Ein Treffer! Mehrfach verkostet.

2010 Château Mille-Roses – Haut-Médoc 90-91
Sehr dunkel, feine, hoch reife Nase, nicht überreif! Tiefgründiger Duft: Cassis, Blaubeere, Graphit, Mineralien; süß und schmelzig am Gaumen, reife Tannine, frisch-mineralischer Nachhall. Gehört seit ein paar Jahren zu den zuverlässigsten Cru Bourgeois. Mehrfach verkostet, immer eine sichere Sache. Gehört ebenfalls zur Gruppe „BITURICA“

2010 Château Belle-Vue – Haut-Médoc 90-92
Gehört seit 2-3 Jahren zu meinen Favoriten! Mehrfach verkostet, immer voll überzeugend. Sehr dunkle Farbe, offener Duft nach Schwarzkirsche, Heidelbeere, Cassis und Graphit; reife, süße Frucht mit frischer Mineralität und reifen Tanninen. Lebhaft und sehr schön balanciert, frisch und elegant im langen Abgang. Die Investitionen von Vincent Mullier, der leider im Mai 2010 während eines Marathonlaufs tragisch verstarb, zahlen sich mehr und mehr aus.
Château Belle-Vue ist heute einer der ganz heißen Tipps des gesamten Médocs.

2010 Château de Gironville – Haut-Médoc 90-91
Vertrieb und Winemaking von der Belle-Vue-Equipe, gehört wie dieses Weingut zur „BITURICA“-Gruppe. Mehrfach verkostet und immer konstant bewertet. Auch hier sticht die sehr dunkle Farbe ins Auge; reifer, sehr feiner Duft nach dunklen Beeren, Süßkirsche, feinen Gewürzen. Rief und dicht in der Frucht, mit einer aristokratischen Note feine Tanninen, auch hier wieder begeistert die mineralische Frische im Finale. Sehr gelungener Wein!

2010 Château Lilian-Ladouys – Saint-Estèphe 90-92
Hat sich in den letzten 2-3 Jahren stetig verbessert. Kein kerniger Saint-Estèphe, sondern eher feminin mit feinen Holznoten, Trüffel, Brombeere und Kirsche. Rassig und feinfruchtig, dezente Mokkanoten, große Eleganz und mit edlem Tabakfinish. Für Freunde großer Eleganz!
Mehrfach verkostet.

2010 Château Le Petit Bocq – Saint-Estèphe 90-91
Wie letztes Jahr auch, einer meiner Lieblinge. Sehr dunkle Farbe, typisch für den Jahrgang bei Cabernet-dominierten Weinen. Verführerischer Duft nach Blaubeeren und Cassis, ein Hauch Schokolade; süß und sexy am Gaumen, mit feinen Tanninen und frischer Mineralität. Ausgewogen und lang, dabei fein, fein, fein…..Mehrfach verkostet.

2010 Sainte-Gemme – Haut-Médoc 89-90
Überraschung! Gehört zu Lanessan, liegt gleich unterhalb von Saint-Julien (Beychevelle).
Voll auf Eleganz ausgelegt; feine, reife Frucht, rotbeerig und ein Hauch Blaubeeren, mineralisch (Graphit) und frisch. Reife, rassige Tannine, feinfruchtig am Gaumen und lebendig im Abgang. Großartiger Genuss für wenig Geld; wird wohl unter 10 Euro in der SUB kosten! Mehrfach verkostet.

2010 Lanessan – Haut-Médoc 92

Der große Bruder legt noch eine Schüppe drauf! Noch dunkler, fast schwarz. Nobler Duft mit viel Cassis, Blaubeere, Brombeere, der bereits mehrfach erwähnte Graphitton fehlt natürlich auch nicht. Süße, rassige und dichte Frucht, große Finesse, wunderbare Länge. Wer braucht da noch deutlich teurere Cru Classées? Sicher einer der besten CBs. Mehrfach verkostet, auch direkt auf dem Château bei der bezaubernden Paz Espejo, der charmanten Regisseurin von Lanessan.

2010 Mayne-Lalande – Listrac 92
Die Entdeckung! Hatte ich bisher nicht auf der Karte. Sehr dunkel, feiner Duft, absolut Cabernet-typisch mit Aromen von Cassis, Blaubeere, Graphit, Zeder und einem Hauch Kaffee. Herrlich reife, verführerische Frucht, charmante Tannine, tolle Balance; mineralische Süße im langen Abgang. Ein echter Treffer, dürfte in der SUB auch nicht teuer werden. (ca. 12-14 Euro). Mehrfach verkostet.

weitere Appellationen folgen

abends in der Welthauptstadt des Weines

über Bordeaux und seine Weine kann man ja denken wie man will. Dass viele Weine vollkommen überteuert sind, dass viele berühmte Weingüter dem “normalen” Weintouristen ihre Pforten nicht öffnen, dass die bekannten Châteaux Großkonzernen gehören und herausgeputzt sind wie Märchenschlösser – geschenkt, stimmt alles! Trotzdem gibt es auch in nahezu allen Anbaugebieten des Bordelais Winzer, die wunderbare Weine produzieren zu Preisen, die für Jedermann bezahlbar sind. Viele dieser Weine findet man in der Gastronomieszene der Gironde-Stadt, die lebhaft und nicht abgehoben ist. Man muss nicht zwangsläufig in Michelin-bewährte Läden gehen, um abends nach einem anstrengenden Tag am Meer oder im Médoc kulinarisch den Tag ausklingen zu lassen.

Am Tag meiner Ankunft, vor dem großen Theater der Primeurverkostungen, blieb nur wenig Zeit, sich zu stärken. Nur wenige Minuten Fußweg vom Hotel entfernt an der Place de Gambetta findet man eine bordelaiser Institution, die mit Lederbänken und Spiegeln eine Brasserie wie aus dem Bilderbuch ist. Le Régent bietet klassische Bistrogerichte und eine sensationell preisgünstige Weinkarte, auf der sich Trouvaillen wie Château Poujeaux 2006 zu sagenhaft günstigen 27,00 € pro Flasche finden.

Unter Weinhändlern sehr beliebt und jeden Abend brechend voll ist die Brasserie Bordelaise mit ihrer riesigen Weinauswahl und einer blitzsauberen, traditionellen Küche. Côte de Boeuf, Austern aus Arcachon, Hühner aus den Landes und eine großartige Entenblutwurst sorgen für wohlige Sättigung bei Weinnasen aus aller Welt. Unbedingt reservieren!

Eine echte Entdeckung und ein Tipp von einem befreundeten Kollen: Verretigo, ein kleines Restaurant/Weinbar nur einen Steinwurf vom Mériadeck-Einkaufszentrum entfernt. Sensationelle Weinkarte, wenige Gerichte, viel Fleisch, alles gekonnt präsentiert von drei weinverrückten Typen, die auch ihre letzten Zigaretten mit uns geteilt haben. Die Verkostungen der 20010er hing mir noch in den Knochen, und so war dieser letzte Abend im Verretigo eine Streicheleinheit für den Gaumen und die Seele.

eine Zusammenfassung der Primeurverkostungen des Jahrgangs 2010 folgt. Eins ist klar: vor allem die Weine des Médocs müssen sich nicht verstecken hinter dem hochgelobten 2009er.

habe die Ehre!

Karl Richter

Bordeaux – immer eine Reise wert!

Am Tag meiner Ankunft war der Himmel bedeckt, graue Wolken hingen schlaff über Bordeaux und den angrenzenden Weinregionen. Ein schlechtes Omen für die Präsentation der Jungweine des Jahrgangs 2010? Die ganze Weinwelt pilgerte wieder ins Zentrum der Weinwelt, um sich ein Bild vom Jahrgang zu machen, der bereits während der Ernte mit reichlich Vorschlusslorbeeren bedacht wurde. “Ist er sogar besser, als der magische Vorgänger” fragten sie die Produzenten angesichts vollreifer, vollkommen gesunder Beeren, die über die Sortiertische perlten wie übergroßer Kaviar, die Erntehelfer tatenlos daneben stehen lassend, denn es gab nichts, was auszusortieren war. Perfektes Lesegut musste nur noch zu Wein vergoren werden.

Jetzt, sechs Monate später, stehen die Weine zur Verkostung an, und alle sind gespannt, wie sich der Jahrgang 2010 präsentiert. 2010 war kein sehr heißes Jahr, die Temperaturen waren eher durchschnittlich. Doch es schien die Sonne länger und öfter als in anderen Jahren. Regen war jedoch das Problem. Zu wenig ist nämlich auch nicht gut, das kann zu trockenen, unreifen Tanninen führen. Der allgemeine Verlauf meinte es jedoch gut mit Winzern und Schlossherren, denn das, was ich in den ersten beiden Tagen verkostet habe, gibt zum Jubeln Anlass. Vor allem die Weine aus dem Médoc sind großartig und in der Tat vielleicht noch einen Hauch besser als der hoch gelobte 2009er. Man glaubt es kaum! Geprägt von einer durchgehend tiefdunklen, hochkonzentrierten Farbe und einer wunderbar reifen, frischen Frucht, werden diese Weine zu den besten der letzten Jahrzehnte gehören. Schwarze Zähne und Zungen allerorten legen Zeugnis darüber ab, dass es sich bei den 20010ern um großartige Weine handelt, die es wert sind gekauft zu werden.

Rund 300 Weine aus dem Médoc habe ich verkostet, um sicher zu gehen zum Teil mehrfach. Wenn die Preise durch die Nachfrage des asiatischen Marktes nicht vollkommen ruiniert werde, wird es natürlich ein Subskriptionsangebot geben. Davon später mehr.

habe die Ehre

Karl Richter

Borussiahäppchen

Als ich das erste Mal von meinem Freund Réginald, seineszeichen Besitzer von 3 (!) Tribünendauerkarten (West Block 32) im Dortmunder Westfalenstadion (heißt für mich noch immer so!), gefragt wurde, ob ich Lust hätte, ein Spiel der Borussia mit ihm zu besuchen, sagte ich natürlich spontan zu. Merkwürdig war nur, dass mir befohlen wurde, um Punkt 12 Uhr am Heim des Gönners zu erscheinen, liegt doch der Ort des Geschens in Sichtweite, also nur einen kleinen Fußmarsch entfernt. Der Grund für mein frühes Erscheinen wurde mir jedoch mitgeteilt: “Borussiahäppchen”, worunter ich mir ein paar belegte Brötchen und gepflegten Biergenuss vorstellte. Dieses erste “Borussiahäppchen” entpuppte sich als ein im Ofen gegartes Perlhuhn, zu dem zwei rechtzeitig dekantierte Bordeaux des Jahrgangs 1986 gereicht wurden: Chasse Spleen und Pavillon Rouge von Château Margaux.

Seit dem sind viele Spiele besucht worden, darunter grausame, die auch durch den vorherigen Genuss bester Weine kaum zu ertragen waren; aber auch Glanzlichter, wie der Auftritt von Zinedine Zidane und Real Madrid und die letzte Meisterschaft im Jahre 2002.

In dieser Saison, die dominiert wird von einem jungen, sympathischen Team, ist jeder Besuch im Stadion natürlich ein Feiertag. Jedes Spiel ausverkauft, über 80.000, die darauf hoffen, dass der Vorsprung auf die Verfolger bis zum letzten Spieltag reichen wird. Gegen Mainz 05, den ehemaligen Club des in Dortmund so geschätzen Trainers Klopp, wurde die Euphorie ein wenig gedämpft. Ein 1:1 ließ niemanden jubeln.

Dazu Anlass gab jedoch das bereits erwähnte “Borussiahäppchen”, das dieses Mal aus Papardelle mit Trüffelsoße und einem langsam im Ofen gegarten Roastbeef nebst Kartoffelauflauf bestand. Die passenden Getränke waren meisterlich, sorgten für Freude und stimmten auf das nachfolgende Spiel ein.

2008 Willi Schäfer – Graacher Domprobst – Riesling Spätlese: ein Wein, leicht wie eine Feder, zart und transparent, glasklar, unverwechselbar und  mit feinster Restsüße und einer frischen, leicht unterkühlt wirkenden Säure. Ein großer Klassker!                                            93 Punkte

1997 Luigi Pira “Marenca” Barolo: Großer Jahrgang, großer Winzer, großer Wein. Ein Barolo voll warmer, feinwürziger Frucht, typisch in seinen Aromen von abgefahrenen Autoreifen (Pirelli?), Teer und überreifen Himbeeren. Großartig zu den Bandnudeln mit der konzentrierten Trüffelsoße. Nach mehr als 13 Jahren auf den Punkt gereift und trotzdem noch Potential für weitere 10 Jahre.                                                                               95 Punkte

1996 Falesco “Montiano”: zufällig im Weinkeller gefunden, keine große Hoffnung hegend, dass dieser “moderne” italienische Merlot zum Jubeln Anlass geben würde. Überraschung! Wunderbar reif, frisch und komplex, mit feinen Eukalyptusnoten, mehr auf Frische ausgelegt, denn auf dicke Frucht. Mit schöner Länge, rassigen Tanninen und einer gehörigen Portion mineralischer Frische ließ er uns zum Roastbeef jubeln!                     94 Punkte

die eigentliche Überrschung kam aber ganz zum Schluss, als der Shuttlebus zum Stadion schon rief, ein Schluck Wein aber noch mit auf den Weg genommen werden wollte:

2007 Gewürztraminer “Rosacker” Grand Cru – Cave Vinicole Hunawihr: spektakulärer Wein mit lupenreiner, sortentypischer Frucht, rassiger Säure, die für viel Schwung am Gaumen sorgte und diese Rebsorte davor bewahrte, ins Banale abzudriften. Gewürztraminer ist nicht gerade angesagt, fristet eher ein Schattendasein und wird von den meisten “Weinkennern” eher belächelt. Dieser Wein jedoch aus der Grand Cru-Lage “Rosacker” in Hunawihr, aus der übrigens auch der berühmte Riesling “Clos Sainte Hune” von Trimbach stammt, überzeugte auf ganzer Linie. Schade nur, dass wir ihm nicht mehr Aufmerksamkeit widmen konnten – der Anstoß nahte ja.                                                                                                       92 Punkte

habe die Ehre!

Karl Richter